In ihrem Buch „Clean Feeding“ fasst Anke Jobi die Grundsätze der natürlichen Hundeernährung gekonnt zusammen und macht Appetit darauf, die festgefahrenen Rituale rund um Hundenapf über Bord zu werfen. Sie geht ins Gericht mit den aktuellen Misständen ohne zu missionieren.

Clean feeding von Anke Jobi

„Cleen Feeding – Hunde natürlich füttern“ – Ein Buch von Anke Jobi

 

Streng genommen stellt Anke Jobi in ihrem – nach dem gleichnamigen Blog benannten – Buch keine neue Fütterungsmethode vor. Viel mehr macht sie Mut, sich entspannt zurückzulehnen und unseren Omas gleich zu machen statt sich bestimmten Fütterungsdogmen zu unterwerfen. Die Ernährungsberaterin plädiert für die Rückkehr zur Natur. Und zum gesunden Menschenverstand. Die einzigen Regeln, die sie aufstellt, lauten: frisch, regional, saisonal. Essen wie früher. Das macht das Buch so sympathisch.

Barf, Prey, Ramb – Religion im Hundenapf

Hundeernährung ist längst nicht mehr selbstverständlich und intuitiv. Die modernen Hundehalter pendeln meist zwischen zwei Extremen: dem exzessiven Convenience-Model der industriellen Fertignahrung und den streng methodischen Fütterungsmodellen wie BARF, PREY oder RAMB*. Die einen Tierhalter geben die Verantwortung für die Gesunderhaltung ihrer Vierbeiner bereitwillig in die Hände der mächtigen – und nicht ganz so gesundheitsorientierten – Futterindustrie ab. Die anderen dagegen möchten die Kontrolle über den Magen-Darm-Trakt der Hunde mit penibel ausgerechneten Rationen von Rohfleisch, Knochen und Co. bei sich behalten. Doch so unterschiedlich die zahlreichen Fütterungsmethoden auch sind, eins haben sie gemeinsam: den Hang zum Dogmatismus. Die Fertigfutter-Anhänger schwören auf die Rund-Um-Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen, die Rohfütterer preisen die Nähe zur Natur. Umweltfreundlich sind beide Trends nicht. Anders als „clean feeding“.

Gut für den Körper und die Umwelt

Clean feeding - Auszug aus dem Buch von Anke Jobi

Heimisches Superfood für Hunde – „Clean feeding“ von Anke Jobi

Clean feeding steht für eine „saubere“ Ernährung und Fütterung der Hunde. Dabei geht es allerdings um viel mehr als „nur“ um die Hundegesundheit. Es geht um das große Ganze – das „clean“ im Begriff steht nämlich auch für ein sauberes Gewissen. Anke Jobi thematisiert in ihrem Buch die vielen Missstände, die uns heute jeden Tag begegnen: Massentierhaltung, Umweltverschmutzung, Klimawandel, Entfernung von der Natur, Ausbeutung der Ressourcen oder Anstieg an Zivilisationskrankheiten bei Menschen und Tieren. Die 53-Jährige bringt auch das Dilemma zur Sprache, das bewusste Ernährung mit sich bringt:

„Wer sich selber bewusst ernährt und z. B. kein Fleisch oder nur wenig Fleisch aus artgerechter Haltung isst, dem widerstrebt es irgendwann, seinen Hund mit Fleischbergen aus Massentierhaltung zu füttern.“

Cleen feeding: Buchinhalt

Auf knapp über 100 Seiten stellt Anke Jobi die Clean-Feeding-Grundsätze vor:

  • gesunde Zutaten: frisch, saisonal, regional und im Optimalfall biologisch erzeugt
  • schonende Verarbeitung: so viel wie nötig, so wenig wie möglich verarbeitete Nahrungsmittel
  • ausgewogene Zusammensetzung: abwechslungsreiche Mahlzeiten, gerne auch aus Resten aus dem Kochtopf.

Die Autorin klärt die häufigsten Mythen in der Hundeernährung auf, wirbt für heimisches Superfood, erklärt den Energiebedarf der Hunde und gibt Tipps über sinnvolle Nahrungsergänzungen. Die Leser finden auch fertige, auf die Jahreszeiten bezogene Rezepte, Beispiele für die Einteilung der Rationen, einen Erfahrungsbericht und ein Interview mit einer Bio-Landwirtin.

Inhaltsverzeichnis (vereinfacht dargestellt):

  • Ernährung früher und heute
  • Die Clean-Feeding-Grundsätze
  • Pflanzliche Nahrungsmittel
  • Tierische Nahrungsmittel
  • Heimisches Superfood
  • Nährstoffe
  • Futtermenge und Energiebedarf
  • Die Einteilung der Rationen
  • Ergänzungen
  • Rezepte zum Loslegen
  • Clean Einkaufen
  • Ökologisch wertvoll – vom Teller in den Napf
  • Nützliche Empfehlungen und Adressen

Was mir an dem Buch gefällt

Neben der klaren Aufteilung und praktischen, leicht umsetzbaren Tipps sind mir folgende Aspekte besonders sympathisch:

  • Der Ausflug in die Vergangenheit: Anke Jobi nimmt die Anfänge der Fertigfütterung und des Fast-Food-Trends im Zuge der Industrialisierung aufs Korn und beleuchtet die schleichende Veränderung des Nährstoffgehalts in Lebensmitteln.

„Viele Hundehalter waren nicht so überzeugt von der Idee, ihrem Hund Fertigfutter zu geben und fütterten ihn weiter mit den Resten aus ihrem Kochtopf. Um dem entgegen zu wirken, kreierte die Futtermittelindustrie mit großem Etat eine riesige Werbekampagne, die zum Inhalt hatte, dass Essensreste die Gesundheit der Hunde schädigen und Fertigfutter die Lösung sei. Diese Botschaft kam an, so gut, dass sie heute in vielen Köpfen fest verankert ist.“

  • Die entspannte Haltung: Auch wenn die Ernährungsberaterin dazu rät, dem Hund „seine ökologisch wertvolle Nische als Resteverwerter der menschlichen Nahrungsmittel“ zu lassen, so bleibt sie herrlich undogmatisch. Von Tipps, wie die Hundehalter das Fertigfutter aufwerten oder teilweise clean füttern können bis zu einem vollkommen cleanen Einkaufszettel ist in Anke Jobis Buch jedes praktikable Fütterungsmodel vorhanden. Das schreckt nicht ab und lässt festgefahrene Fütterungsgewohnheiten leichter verändern als starre Ge- und Verbote.
  • Das kompakte Wissen: Das Buch ist nicht dick, aber voller guter Inhalte. Anke Jobi räumt mit hartnäckigen Mythen z. B. über Getreide, Salz und Nachtschattengewächse auf und gibt Tipps wie man Gemüse durch Fermentierung haltbar macht. Selbst die eher theoretischen Kapitel über die Nährstoffe, Darmflora oder den Energiebedarf lesen sich dank vieler spannender Details sehr leicht. Zahlreiche Fotos und Infografiken lockern selbst trockene Absätze gut auf.
  • Der kritische Blick: Extreme Ansichten und starre Fütterungspraktiken scheitern ihrer Meinung nach an ihrer Massentauglichkeit.

„Keines der extremen Ernährungskonzepte für Hunde, die wir heute kennen, würde standhalten, wenn man es auf sämtlich 7 Millionen Hunde in Deutschland umlegen würde. 7 Millionen Hunde barfen? Wie sollte das gehen? Wo sollte all das Fleisch herkommen?“,

fragt die Bloggerin und Autorin im Schlusswort ihres Buches.

Mein Fazit über „Clean feeding“

Was Anke Jobi mit ihrem Buch versucht – und das in meinen Augen ziemlich erfolgreich – ist eine entspannte Sicht auf die Hundefütterung, gepaart mit einem kritischen Blick auf die Missstände und Fehlentwicklungen. Das Buch ist informativ, aber nicht zu überladen, leichtfedrig geschrieben und lebensnah. Selbst Menschen, die bereits „clean“ füttern, finden hier einige neue Sachen.

"Clean feeding" von Anke Jobi - Cover

Ratgeber und Nachschlagewerk: „Clean feeding“

Der kranken Gesellschaftsentwicklung geschuldet, wird das Füttern wie in Omas Zeiten zu einer Art Manifest: weg vom Fertigfutter, weg von Fleischbergen – zurück zur Natur. Und doch – trotz des gesellschaftskritischen Blicks und der umweltfreundlichen Prämisse – bleibt Clean feeding made by Anke Jobi undogmatisch und entspannt. Traurig, dass wir Bücher brauchen, die uns daran erinnern müssen, wie es früher war, und wachrütteln, was heutzutage alles schiefläuft. Aber großartig, dass es Menschen wie Anke Jobi gibt, die gegen den Strom schwimmen und das Wichtige ins Rampenlicht stellen. Ohne zu missionieren.

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*BARF = Biologisch artgerechte Rohfütterung
PREY = engslich für Beute(tier)
RAMB = Raw And Meaty Bones (Rohe und fleischige Knochen)